Die verräterischen Punkte

Anfang des Monats wurde in den USA eine Informantin festgenommen, die geheime Dokumente der NSA an den Intercept weitergegeben haben soll. Es ging darin um eine bisher nicht-öffentliche Untersuchung der NSA bzgl. einer Manipulation der Wahlmaschinensoftware durch russiche Hacker kurz vor den Präsidentenwahlen 2016.

Erstaunlich war, dass die Festnahme innerhalb kürzester Zeit nach dem Zuspielen der entwendeten Unterlagen erfolgte. Über den genauen Hintergrund des rasanten Ermittlungsverlaufs wurde initial wenig berichtet oder auf ein internes Tracking-System der NSA zur Überwachung hauseigener Drucker verwiesen, welches am Ende zur Enttarnung geführt haben soll.

Mittlerweile gibt es jedoch kaum noch Zweifel, dass sie durch ein Tracking-System überführt worden sein könnte, welches in jedem Farblaserdrucker zur Anwendung kommt. Weltweit. Egal welcher Hersteller und Nutzungsbereich. Auch zu Hause.

Das berichten zumindest heise.de, sueddeutsche.de und zeit.de.

Kaum sichtbare Punkte auf einem Farblaser-Ausdruck (CC BY – Electronic Frontier Foundation)

Bereits im November 2004 deckte das Magazin PC World diesen höchst fragwürdigen Mechanismus auf. Anschließend griff die amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) die Thematik mit ihrer Kampagne „Is Your Printer Spying On You?“ auf. Sie konnte recht schnell belegen, dass eigentlich alle Hersteller die Ausdrucke ihrer Farblaser mit diesem geheimen Tracking-Code versehen.

Soweit bekannt ist, wurden die Druckerhersteller durch Regierungen zu dieser Maßnahme gedrängt. Die Befürchtung damals war vorgeblich, dass durch die immer besser werdende Druckqualität und Auflösung, Geld- und Urkundenfälschungen signifikant zunehmen würden. Also brauchte man eine Möglichkeit, jeden Ausdruck eindeutig einem Drucker und Zeitpunkt zuordnen zu können, um etwaige strafrechtliche Ermittlungen zu erleichtern.

Die Funktion nennt sich Machine Identification Code (MIC) und verschlüsselt in einer Art Punktematrix die folgenden Informationen: Datum & Uhrzeit des Ausdrucks, Identifikator des Druckertyps und zugehörige Seriennummer.

Dekodierungsbeispiel (CC BY – Electronic Frontier Foundation)

Die Anleitung „Yellow Dots of Mystery: Is Your Printer Spying on You?“ hilft, heraus zu finden, ob der eigene Drucker ebenfalls die verräterischen gelben Punkt druckt. Zur einfachen Entschlüsselung gefundener Wasserzeichen stellt die EFF außerdem ein Programm zur Verfügung.

Auch zum jüngsten Vorfall hat sich die EFF mittlerweile zu Wort gemeldet: „Printer Tracking Dots Back in the News“. Falls es die beschuldigte Dame wirklich gewesen sei, könne sie auch ohne den Tracking-Mechanismus überführt worden sein. In der eidesstattlichen Erklärung des FBI zur Festnahme sei zumindest kein Hinweis darauf zu finden. Außerdem könnten mittlerweile auch ganz andere Tracking-Mechanismen zur Anwendung gekommen sein, die für einen Laien nicht mehr erkennbar bzw. darstellbar sind. Deshalb ist davon auszugehen, dass zumindest jeder Ausdruck eines Farblaserdruckers generell zurückverfolgt werden kann.