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Die Mär von den gelesenen AGBs

2012 konstatierte die schwedische Initiative CommonTerms, dass die größte Lüge des Internets sei, die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und etwaige Datenschutzrichtlinien gelesen zu haben. Auch wenn jeder dieser Aussage zweifellos zustimmen wird, lieferte ein Konferenzbeitrag aus dem Jahr 2016 den Beweis auch nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten. 97% der Studienteilnehmer überflogen die AGBs, bei einer dem Umfang entsprechenden, mindestens zu erwartenden Lesedauer von 45-60 Minuten, in weniger als 5 Minuten. 74% akzeptierten diese ohne sie überhaupt gesehen zu haben.

Durch die (unbedachte) Bestätigung der Bedingungen werden typischerweise nicht nur die eigenen Urheberrechte an die Anbieter abgetreten, sondern man stimmt einer zumeist umfangreichen Verarbeitung und Weitergabe der persönlichen Daten zu, die bei der Nutzung anfallen. Aber wer hat schon Zeit, seitenweise AGBs zu blättern, wenn man doch nur schnell eine Information oder nur kurz die App benötigt? Es wird schon alles ok sein, man ist ja schließlich nicht der erste oder einzige Kunde …

Die nachfolgenden Initiativen versuchen, dieser – aus Nutzersicht, sehr leichtsinnigen – aus Anbietersicht, vorsätzlich irreführenden – Praxis entgegen zu wirken und dem Nutzer eine Informierte Einwilligung auf Basis strukturell und visuell aufbereiteter Nutzungsbedingungen zu ermöglichen:

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Die verräterischen Punkte

Anfang des Monats wurde in den USA eine Informantin festgenommen, die geheime Dokumente der NSA an den Intercept weitergegeben haben soll. Es ging darin um eine bisher nicht-öffentliche Untersuchung der NSA bzgl. einer Manipulation der Wahlmaschinensoftware durch russiche Hacker kurz vor den Präsidentenwahlen 2016.

Erstaunlich war, dass die Festnahme innerhalb kürzester Zeit nach dem Zuspielen der entwendeten Unterlagen erfolgte. Über den genauen Hintergrund des rasanten Ermittlungsverlaufs wurde initial wenig berichtet oder auf ein internes Tracking-System der NSA zur Überwachung hauseigener Drucker verwiesen, welches am Ende zur Enttarnung geführt haben soll.

Mittlerweile gibt es jedoch kaum noch Zweifel, dass sie durch ein Tracking-System überführt worden sein könnte, welches in jedem Farblaserdrucker zur Anwendung kommt. Weltweit. Egal welcher Hersteller und Nutzungsbereich. Auch zu Hause.

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Kopfhörer und Mithörer

Am 18. April 2017 reicht ein gewisser Plaintiff Kyle Zak aus Chicago, vertreten durch seine Anwälte der Kanzlei Edelson PC Sammelklage gegen die Bose Corporation ein.

Bose ist Hersteller hochwertigerpreisiger HiFi-Komponenten. Eines ihrer Steckenpferde ist seit mehr als zwei Jahrzehnten der mit Antischall betriebene, geräuschreduzierende Kopfhörer. Nicht nur in der Raumfahrt, sondern auch beim Zugfahren oder im Großraumbüro schirmt er seinen Träger vor lästigem Umgebungslärm ab.

In der schönen neuen Welt der Smartphones, Apps und kabellosen Audioübertragung ist das Nutzungserlebnis der aktuellsten Noise-Cancellation-Kopfhörergeneration namens “Quiet Comfort 35” eng mit der Smartphone-App “Bose Connect” verknüpft. So können die Kopfhörer damit nicht nur konfiguriert, sondern auch auf die aktuellste Firmware-Version aktualisiert werden.

Eben diese App scheint jedoch nicht dem Grundsatz der Abschirmung zu folgen, sondern betreibt hinsichtlich dem Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer eher das Gegenteil.

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Grundkurs IT-Sicherheit in bewegten Bildern

Sobald es um IT-Sicherheit bzw. genauer gesagt, den Schutz der Privatsphäre bei der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie geht, hat der Laie kaum eine Chance den Rat der Experten zu folgen. Die zu Grunde liegende Technik ist an sich schon recht komplex. Bei der Aufklärung bedienen sich Experten am liebsten Ihrem Fachjargon, während den unbedarften Nutzern beim Zuhören nur die Ohren flattern. Sobald diese dann noch jäh aus Ihrer heilen Welt gerissen werden, durch Whistleblower die von einer omnipräsenten Überwachung durch repressive Regime, Geheimdienste und andere kriminelle Organisationen berichten … mag man am Ende nur hoffen, dass alles nicht so schlimm ist und man selbst ja eh nichts zu verbergen hat … und man macht weiter wie bisher.

Zum Glück gibt es Alexander Lehmann, von dem in diesem Blog schon mehrere Beiträge gezeigt wurden. Mit seinem Projekt “Verschlüsselung Einfach Erklärt” verbildlicht er in fünf animierten Kurzfilmen wichtige Grundsätze des sicheren Umgangs mit IT. Kurz, verständlich und äußerst empfehlenswert.

Die Kurzfilme sind von Ende 2015 bis Mitte 2016 veröffentlich worden, illustriert von Lena Schall und mit der Stimme von Florian Maerlender. Gefördert wurden sie u.a. von der Heinrich Böll Stiftung, Rosa Luxemburg Stiftung und FIfF e.V.

Aber genug des Schreibens … nun zu den Bildern.

Unknackbar aber einfach zu merken! – Passwörter Einfach Erklärt

Weitere Informationen:

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Aktivitätstracker – Deine Fitness, unsere Daten

Der Schweizer Uhrmacher Abraham-Louis Perrelet gilt als Erfinder des Schrittzählers, den er 1780 zur Vollendung brachte. Damals noch mechanisch, schmückt dieser heutzutage in digitaler Ausführung immer mehr Handgelenke. Der nun integrierte 3-Achsen Beschleunigungssensor liefert neben der Schrittanzahl eine Menge an Daten, die Aufschluss über die aktuelle Aktivität bzw. ausstehende Aktivität des Trägers geben. Im Angesicht der immer umfangreicheren Vermessungsmöglichkeiten ist auch der Begriff “Pedometer” nicht mehr zeitgemäß und wurde durch “Aktivitäts- / Fitnesstracker” oder auch “Fitnessarmband” ersetzt.

Bild von Juhan Sonin
Bild von Juhan Sonin (CC-NY)
Im Kampf um Kunden überbieten sich die Hersteller mit immer neuen Innovationen. Neben den üblichen Aktivitäts- und Schlafaufzeichnungen gehört spätestens seit Ende letzten Jahres auch ein integrierter Herzfrequenzmesser zur Standardausstattung dieser Allzeitbegleiter.

Das Versprechen ist, die Träger zu (mehr) sportlicher Betätigung zu motivieren und ihnen ein Tagebuch der erbrachten Aktivität zur Selbstvermessung, Trainingsoptimierung und Langzeitbeobachtung zur Verfügung zu stellen.

Aus diesen Gründen weckte die neueste Generation der Fitnessarmbänder auch mein Interesse. Testberichte und Produktvergleiche der einzelnen Modelle gibt es zu Hauf. Die Akkulaufzeit, die Messgenauigkeit, die Ablesbarkeit bei Sonne, die Bedienbarkeit, das Design … Kein einziger setzt sich jedoch damit auseinander, wo die erfassten Daten eigentlich gespeichert und aufbereitet werden. Und dass der Benutzer bereits die Kontrolle darüber verloren hat.

Um dieses Thema – Datenschutz und Datenhaltung bei Fitnesstrackern – soll es in diesem Blogeintrag gehen. Neben einem knappen Abriss über die Thematik, sollen auch die Antworten ausgewählter Hersteller gezeigt werden, die dazu von mir befragt wurden.

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